Über 2000 Jahre Dorfgeschichte
Die Geschichte von Hostel
Hostel reicht bis in die Römerzeit zurück, namentlich erwähnt wird das Dorf zum ersten Mal im Jahr 1069. Seitdem haben Kriege, Herrschaftswechsel und viele Generationen ihre Spuren hinterlassen – in den Häusern, auf den Feldern und in den Erinnerungen der Menschen. Diese Seite gibt Ihnen einen Überblick über die Themen der Dorfchronik. Ausführlich steht alles im Buch.
um 15 v. Chr.
Die Via Agrippa ist fertig
1069
Erste namentliche Erwähnung
1613
Das älteste Fachwerkhaus entsteht
1938
Das Moorheiligtum wird entdeckt
1962
Hostel erhält sein Wappen
Der Ursprung von Hostel liegt an der Via Agrippa, der römischen Heeresstraße von Köln nach Trier, die um 15 v. Chr. fertig wurde. Auf der ersten Anhöhe von rund 320 Metern errichteten die Römer vermutlich eine Pferdewechselstation mit Wachturm. Zum ersten Mal namentlich erwähnt wird das Dorf 1069.
Den Verlauf der alten Straße erkennt man aus der Luft bis heute an der Vegetation. Außerdem markieren ihn angepflanzte Stieleichen: Zwischen Hostel und Roggendorf stehen drei davon genau auf der alten Trasse.

Der Westturm der Kapelle „Zu den heiligen drei Mauren und dem heiligen Hubertus" entstand um 1200, im Jahr 1492 wurde der Altar geweiht. Bei Instandsetzungsarbeiten in den 1980er-Jahren kamen mittelalterliche Fresken zum Vorschein, 2006 erhielt die Kapelle den Rheinischen Denkmalpreis. Mehr erfahren Sie auf der Seite zur Kapelle.

Das Dorfleben lebt vom Miteinander. Schon am 23. Dezember 1888 gründeten 53 Menschen den Arbeiterverein zur gegenseitigen Hilfe, 1905 folgte der Theaterverein „Einigkeit", 1908 der Junggesellenverein. Seit 1951 gibt es das Tambourkorps „Edelweiß", das bis heute jedes Jahr den Martinszug begleitet.
Über die Jahrzehnte kamen Tischtennisclub, Frauentanzgruppe, Männerballett, die Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr und das Vereinskartell dazu. Manche bestehen bis heute, andere haben sich aufgelöst – der Kapellenverein zuletzt 2024, weil er zu wenige Mitglieder hatte.
In Hostel stehen noch 28 Fachwerkhäuser, das älteste am Frankenring trägt die Jahreszahl 1613. Dass sie zwei Weltkriege weitgehend unbeschadet überstanden haben, ist der Grund, warum Hostel sein geschlossenes Ortsbild bewahrt hat. Viele Balken tragen Inschriften, die Bauherren und Baujahr nennen.
Mindestens zwei Gaststätten sind sicher belegt. Am bekanntesten ist die Wirtschaft Bank in der heutigen Gölertzstraße 27, mit einem großen Saal dahinter. Adolf und Maria Bank hatten sie vom Gastwirt Jakob Klaus übernommen. Später gab es eine Wirtschaft in der neuen Schule, die 1985 schloss.
Die Gaststätten waren Treffpunkt für Vereine und Versammlungen – das Tambourkorps etwa wurde 1951 in der Wirtschaft Bank gegründet. Heute gibt es in Hostel keine mehr.
Bis 1962 führte Hostel ein rundes Gemeindesiegel mit der Umschrift „Gemeinde Hostel – Kreis Schleiden". Es zeigt oben ein zwölfendiges Hirschgeweih und unten einen schwarzen Gerichtstisch. Am 29. Juni 1962 erhielt die Gemeinde ihr heutiges Wappen, entworfen vom Heraldiker Joseph Decku.
Geweih und Strahlenkreuz stehen für den Pfarrpatron St. Hubertus. Der Gerichtstisch erinnert daran, dass Hostel einst Sitz eines Gerichts im Jülicher Amt Münstereifel war.

An der südöstlichen Hangseite von Hostel fließt der Krebsbach, der bei Schützendorf entspringt. Über Jahrhunderte hatte er das Tal auf rund 100 Metern Breite vermoort. Als 1938 Drainagearbeiten das Land urbar machen sollten, stieß der Pflug mitten im Moor auf Steinhaufen.
Was zuerst nach Bauschutt aussah, ließen das Bürgermeisteramt Eicks und der Hosteler Landwirt Josef Wolfgarten genauer untersuchen. Unter der Oberfläche lag ein Podium aus Steinen, fünf Meter lang – ein römisches Heiligtum.
LANO · SET · AIANO – diese Inschriften tragen Bruchstücke aus rötlichem Buntsandstein, die dort gefunden wurden. Sie sind Hinweise auf einen Altar, mitten im Moor.
Außerdem kamen ein sogenannter Schalenstein, ein Mahlstein, Keramik aus dem 2. und 3. Jahrhundert und Münzen zutage, darunter Prägungen der Kaiser Vespasian und Hadrian. Welcher Gottheit das Heiligtum geweiht war, ist bis heute unbekannt.
Die Chronik sammelt Überlieferungen und Erinnerungen aus Hostel. Eine Schülerin schrieb über den Gemeinschaftsbackofen, in dem früher das ganze Dorf Brot und Kuchen buk. Er stand am Dorfplatz, dort, wo heute der Spielplatz ist.
Andere Geschichten erzählen vom Streit mit dem Nachbardorf Glehn um die Kapelle oder von Kriminalfällen, über die die Lokalzeitungen berichteten.
Den Dorfanger am Frankenring säumen 32 zum Teil alte Linden. Sie bilden den Rahmen für die Feste des Dorfes, und hier stellt der Junggesellenverein den Maibaum auf. Auf dem Friedhof machen acht Rotdornbäume den Mittelweg zur Allee, sie blühen im Mai und Juni.
Dazu kommen die Zwillingsbirnbäume am südlichen Ortsrand und die drei Stieleichen auf der Trasse der Via Agrippa.
Hostel hat Künstler angezogen. Rolf Dettmann (1915–1992) zeichnete die Kapelle für den Heimatkalender des Kreises Schleiden 1959 und das Fachwerkhaus Friedentalstraße 15 für die Ausgabe 1961. Albert Larres malte die Kapelle in Öl, und Theo Wambach aus Hostel zeichnete 1987 zwölf Monatsblätter mit Motiven aus dem Dorf.
Die ältesten Ansichten des Dorfes stammen von Postkarten. Die früheste ist auf den 19. September 1903 datiert: „Gruß aus Hostel", eine Farblithographie mit alter Schule, Kapelle und Wirtschaft. Eine Karte von 1914 zeigt den Ort mit Kapelle, alter Schule und Dorfteich. Später folgten Karten mit mehreren Motiven, die das Dorf in den 1950er- und 1960er-Jahren zeigen.
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Alte Karten, Luftaufnahmen und Satellitenbilder zeigen, wie sich Straßen, Gebäude und Felder verändert haben – und was gleich geblieben ist. Die älteste konkrete Darstellung des Dorfes findet sich auf der Karte des Kartografen Tranchot aus den Jahren 1801 bis 1828, dazu kommt eine preußische Karte von 1836 bis 1850.

Mehr steht im Buch
Dieser Überblick kratzt nur an der Oberfläche. Die Dorfchronik behandelt alle zwölf Themen ausführlich, auf 136 Seiten und mit Quellenverzeichnis.
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